Turmbläser – zwei Jahre als Verein

Seit genau zwei Jahren sind die Lauterbacher Turmbläser nun ein Verein, und hinter ihnen liegt ein ereignisreiches zweites Vereinsjahr. Die Vereinsgründung war nötig geworden, weil die Stadt Lauterbach nicht länger zur Finanzierung des Lauterbacher Turmblasens beitragen konnte. Kirchengemeinde und Stadt hatten sich diese Kosten seit jeher geteilt. Nun fehlte ein wichtiger Anteil dieser Finanzierung, und eine andere Lösung musste her, damit die Jahrhunderte alte Tradition nicht sterben sollte. Schnell zeigte sich, dass den Lauterbachern „ihr“ Turmblasen wichtig war, denn spontan gingen zahlreiche Spenden ein, die vor allem zunächst an die evangelische Kirchengemeinde gerichtet wurden, denn erst als eingetragener, gemeinnütziger Verein waren die Turmbläser selbst berechtigt Spenden zu empfangen. Durch diese ist die Tradition des Turmblasens zunächst gesichert, denn der Finanzierungsanteil der Kirche und die vielen privaten Spenden decken die Kosten. „Damit das auch so bleibt, müssen wir mehr tun, als das sonntägliche Spielen vor den Gottesdiensten,“ sagt Klaus Scheuer, Mitglied der Turmbläser seit über 30 Jahren und nun Vorstandsmitglied des neuen Vereins, denn dieser muss auch in Zukunft vor allem durch Spenden finanziert werden. Auch manche Sachspenden können die Turmbläser gebrauchen. So ließ der Lauterbacher Karl-Heinz Ludwig kurzerhand eine Truhe aus Holz anfertigen, in der Musikinstrumente in der Turmstube gelagert werden können, denn ein Möbelstück von der Stange lässt sich gar nicht dorthin transportieren.

„Das Turmblasen an den Sonntagen, wird zwar von vielen wahrgenommen und geliebt, aber es gehört eben auch einfach dazu. Vielen würde erst bewusst werden, dass etwas fehlt, wenn es nicht mehr stattfände.“ Deshalb tritt der Turmbläserverein auch darüber hinaus immer öfter an die Öffentlichkeit, etwa mit einem Auftritt auf dem Lauterbacher Prämienmarkt in 2015 oder beim Himmelfahrtgottesdienst im Lauterbacher Burghof in den letzten beiden Jahren. Seit einiger Zeit spielen die Turmbläser auch auf dem Lauterbacher Weihnachtsmarkt aus den Fenstern des Hohhaus-Museums.

Neu in diesem Jahr ist die musikalische Gestaltung des Adventssingens auf der Treppe vor der Lauterbacher Stadtkirche. Die kurzen Andachten jeweils am Mittwoch zwischen den Adventssonntagen sind selbst eine neue Idee der evangelischen Kirchengemeinde, und die Turmbläser sind von Anfang an beteiligt. Auch der musikalische Beitrag der Turmbläser zur Weihnachtfeier der Sparkasse Oberhessen, die in der Stadtkirche stattfand, war in diesem Jahr etwas Neues für die Gruppe und dürfte sie auch über die Region hinaus bekannt gemacht haben, denn das Einzugsbebiet der Sparkasse reicht bekanntlich bis in die Wetterau.

In den ersten beiden Jahren als Verein gab es zusammen genommen über 100 musikalische Auftritte der Turmbläser. Wohl kaum eine Musikgruppe der Region kann sich eine solche Zahl auf die Fahnen schreiben.

Doch die Turmbläser engagieren sich auch über die musikalische Arbeit hinaus. Bereits zum zweiten Mal brachten Sie in diesem Jahr die vier Weihnachtsbäume auf den Kirchturm der Stadtkirche. Diese Weihnachtsbäume sind seit Generationen für die Lauterbacher untrennbar mit der Vorfreude auf das Weihnachtsfest vebunden. Gespendet wurden die Bäume wieder durch Baron Henn Riedesel. Sie wurden eigenhändig im Wald geschlagen und zur Stadtkirche gebracht, wo sie seit dem ersten Advent im vertrauten Lichterglanz erstrahlen.

„Es ist ein schönes Gefühl, wenn man am Sonntagmorgen auf dem Kirchturm steht und einen Choral in die vier Himmelsrichtungen spielt,“ erzählt Klaus Scheuer, „und wir freuen uns wenn wir die Menschen in der Stadt beobachten können, wie sie stehen bleiben und uns zuhören.“ So gibt es einige Stammhörer, die jeden Sonntag an der gleichen Stelle stehen, um dem Turmblasen zu lauschen, etwa an einem Fenster eines nahegelegenen Hauses, auf der Treppe des Hohhaus-Museums oder am Löwendenkmal. Die sieben Turmbläser kennen manche ihre „Fans“ genau. Immer wieder hören wir aber auch von Menschen, die wir nicht sehen können, wie sehr sie die sonntägliche Turmmusik schätzen, etwa als musikalischer Begleiter auf dem Weg zum Gottesdienst. „Wir wüssten gern, wer uns noch sonntags zuhört und von wo aus er oder sie das tut, denn wir möchten gerne heraus finden, wie weit wir in Lauterbach überhaupt zu hören sind,“ sagt Klaus Scheuer, verbunden mit der Bitte, den Turmbläsern zu schreiben oder zu sagen, von wem und von wo aus sie sonntags noch gehört werden, telefonisch unter 06641-644125 oder per Email info@turmmusiker.de.

Der nächste „große Auftritt“ der Turmbläser ist natürlich das Christkindwiegen am Heiligabend, und hier sind die Zuhörer auf dem Marktplatz sicher wieder gar nicht zu zählen.

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