Mit Türmerhorn und Internet

Wir sind nicht allein. Turmbläser gibt es auch da draußen, sogar Turmbläserinnen!

„Wissen Sie eigentlich, dass es bei uns in Münster eine Türmerin gibt, die jeden Abend die Stunden vom Kirchturm der St. Lamberti Kirche bläst?“ fragte mich die Vermieterin meiner Wohnung, als ich kürzlich Münster besuchte. Sie fragte mich nicht ohne Stolz auf diese Münsteraner Tradition und nicht ahnend, dass ich selbst Turmbläser in meiner Heimatstadt bin. Ich wusste dennoch nichts von der Türmerin von Münster und war umso mehr beeindruckt von der Geschichte, als ich entdeckte, dass die Türmerin von Münster nicht nur allabendlich vier Stunden auf dem Lirchturm von St. Lamberti verbringt, sondern auch einen Webblog direkt vom Turm aus betreibt und sogar bei Facebook aktiv ist. Auf diesem Weg nahm ich denn auch Kontakt zu ihr auf, und noch bevor das nächste Stundensignal vom Turm ertönte, hatte ich meine Antwort per Email: Wir verabredeten uns am nächsten Tag in einem Café am Fuße des Lamberti-Kirchturms, um Turmgeschichten auszutauschen.

Martje Saljé ist seit Anfang 2014 im Amt, und sie ist damit die erste weibliche Türmerin in Münster, in einem Amt, das es seit dem Mittelalter ohne Unterbrechung gibt, und das heute immer noch als Wachdienst über die Stadt Münster verstanden wird. So ist Frau Saljé, die aus Norwegen stammt und einen hugenottischen Nachnamen trägt, bei der Stadt Münster angestellt und leistet einen bürgerlichen Dienst auf dem Kirchturm der St. Lamberti Kirche. So ist auch das Turmblasen in unserer Stadt aus dem ehemaligen städtischen Wachdienst hervor gegangen und wurde demnach bis zuletzt traditionell von Stadt und Kirche finanziert. Während der städtische Anteil bei uns nun ganz in der Hand eines Vereins, also privaten bürgerlichen Engagements liegt, arbeitet die Türmerin von Münster für das Stadtmarketing. Neben dem traditionellen Wachdienst macht sie Öffentlichkeitsarbeit vom Turm aus, nicht nur mit dem Türmerhorn, sondern auch mit ganz modernen Kommunikationsmedien. Die Vertreter der Türmer- und Nachtwächterzunft haben die erste Türmerin Münsters bereits besucht, obwohl sie als Frau (noch) nicht in die Zunft aufgenommen werden kann. Offensichtlich gibt es immer noch Traditionen, denen ein wenig Leben eingehaucht werden muss. Zahlreiche Medienvertreter aus ganz Deutschland und darüber hinaus haben die Türmerin schon getroffen, und dennoch war die Kunde noch nicht zu uns in den Vogelsberg vorgedrungen.

Das soll sich ändern, so beschlossen die Türmerin von Münster und der Turmbläser von Lauterbach denn auch beim gemeinsamen Kaffee. Wir werden uns vernetzen, denn es gibt die Tradition des Turmblasens auch noch an anderen Orten. Einige Kollegen hat Martje Saljé bereits kennen gelernt, so etwa den Türmer von St. Michaelis in Hamburg, der ihr bereits einen Besuch auf dem Turm in Münster abstattete. Vernetzung funktioniert natürlich am einfachsten über das Internet. Auf der Website der Lautebacher Turmbläser gibt es nun einen Link nach Münster und umgekehrt. Aber auch im wirklichen Leben besuchen wollen wir uns, vielleicht sogar zu einem überregionalen Türmertreffen.

Eine Frage interessierte mich noch: Verbringt die Türmerin wirklich jeden Abend auf dem Turm von St. Lamberti? Da kann man sich ja nie etwas vornehmen. „Ich bin die Frau, die abends nie kann“, antwortet sie lächelnd. Das ist mein Job. Ich unternehme eben vorher etwas oder vielleicht auch nachher. Jeden Abend von 20.30 bis 0.30 Uhr verbringt Martje Saljé auf dem Turm, außer Dienstags, da hat sie ihren freien Tag, und im Urlaub gibt es einen Vertreter. Vielleicht nutzt sie diesen Urlaub ja mal für einen Besuch auf dem Lauterbacher Kirchturm. Wir würden uns sehr darüber freuen.

Für einen virtuellen Besuch vorab auf den Kirchtürmen in Münster und in Lauterbach hier die notwendigen Links:

Die Türmerin von Münster: https://tuermerinvonmuenster.wordpress.com

Die Lauterbacher Turmbläser: www.turmmusiker.de

Der Bericht des Lauterbacher Anzeigers vom 22. Mai 2015 als Zeitungsausschnitt und Weblink.

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